STOP.LI / ISMS Prozesslandkarte DCH / 04 Architektur

Sicherheit brauchteinen Sollzustand.

Architektur macht Schutzanforderungen vor der Umsetzung verbindlich. Der Prozess übersetzt Geschäft, Daten, Bedrohungen, Risiken und Pflichten in Prinzipien, Zielbilder und begründete Architekturentscheide.

04 FührenOwner: Security Architecture
Architekturprozess

Vom Schutzbedarf zum
prüfbaren Entwurf.

Ein Diagramm allein ist keine Sicherheitsarchitektur. Der Prozess muss zeigen, welche Anforderungen gelten, warum ein Entwurf sie erfüllt und wie Abweichungen verantwortet werden.

01 / KONTEXT

Aufnehmen

Leistung, Daten, Nutzer, Abhängigkeiten und Veränderungsanlass verstehen.

klarer Architekturauftrag

02 / SCHUTZ

Ableiten

Bedrohungen, Risiken, Schutzbedarf und Verpflichtungen zusammenführen.

begründete Anforderungen

03 / PRINZIPIEN

Begrenzen

Verbindliche Regeln für Identität, Daten, Netze, Plattformen und Produkte setzen.

genehmigte Leitplanken

04 / ENTWURF

Gestalten

Zielbild, Vertrauensgrenzen, Kontrollpunkte und Betriebsmodell beschreiben.

prüfbarer Architekturentwurf

05 / ENTSCHEID

Prüfen

Entwurf gegen Prinzipien, Risiken, Betrieb und Nachweisfähigkeit bewerten.

dokumentierter Entscheid

06 / ABWEICHUNG

Verantworten

Kompensation, Restrisiko, Owner, Befristung und Zielkorrektur festlegen.

beherrschte Ausnahme

07 / NACHWEIS

Übergeben

Anforderungen an Entwicklung, Beschaffung, Konfiguration und Prüfung übergeben.

anschlussfähiger Sollzustand

Architekturobjekte

Prinzip, Muster,
Entscheid.

Architektur braucht unterschiedliche Ebenen. Ein allgemeines Prinzip kann nicht den konkreten Systementscheid ersetzen. Ein Produktentscheid darf umgekehrt kein neues Unternehmensprinzip durch die Hintertür schaffen.

Prinzip

Verbindliche Leitplanke

Technologieunabhängige Aussage, etwa minimale Berechtigung, segmentierte Vertrauenszonen oder geschützte Geheimnisse.

Referenzarchitektur

Wiederverwendbares Zielbild

Erprobte Struktur für Identität, Cloud, Netzwerk, Daten, Endpunkte, Produkte oder Betriebsmodelle.

Anforderung

Prüfbarer Sollzustand

Konkrete Bedingung mit Geltung, Verantwortlichkeit und erwarteter Nachweismethode.

Entscheid

Begründete Auswahl

Kontext, Optionen, Abwägung, Folgen und Owner einer wesentlichen Architekturentscheidung.

Abweichung

Befristete Restlücke

Nicht erfüllte Vorgabe mit Ursache, Kompensation, Risiko, Genehmigung und Ablaufdatum.

Nachweis

Umgesetzte Architektur

Konfiguration, Test, Review oder technische Beobachtung, die den erreichten Zustand belegt.

Prüffelder

Die Grenze liegt
zwischen Vertrauen.

Die Prüfung folgt nicht einer Produktliste. Sie betrachtet Datenflüsse, Identitäten, Vertrauensgrenzen, Ausfallwirkungen und den späteren Betrieb.

Prüffeld Zentrale Architekturfrage Typischer Nachweis
Identität Wie werden menschliche und technische Identitäten authentisiert, berechtigt und entzogen? Identitätsfluss, Rollenmodell und technische Policy
Daten Wo entstehen, fliessen, ruhen und verlassen schutzwürdige Informationen den kontrollierten Bereich? Datenfluss, Klassifizierung und Schutzmechanismen
Netz und Cloud Welche Vertrauenszonen und Kontrollpunkte begrenzen Bewegung und Exposition? Zonenmodell, Pfadprüfung und Konfigurationsnachweis
Plattform und Endpunkt Welcher sichere Sollzustand wird ausgerollt, überwacht und wiederhergestellt? Baseline, Driftprüfung und Wiederherstellungstest
Produkt und Anwendung Wie werden Sicherheitsanforderungen über Entwicklung, Release, Update und Support erhalten? Threat Model, Freigaben und Produktnachweise
Resilienz Welche Abhängigkeit kann eine kritische Leistung unterbrechen und wie wird weitergearbeitet? Redundanz, Notbetrieb und getesteter Wiederanlauf
Prozessgrenze

Der Entwurf ist
noch kein Betrieb.

Architektur verantwortet den Sollzustand und seine Begründung. Die Umsetzung und dauerhafte Einhaltung liegen in den zuständigen Betriebs- und Entwicklungsprozessen.

Architektur verantwortet

  • Prinzipien und Referenzarchitekturen
  • Schutzanforderungen und Vertrauensgrenzen
  • Architekturentscheid und dokumentierte Abweichung
  • Übergabe eines prüfbaren Sollzustands

Andere Prozesse liefern

  • Risiko: Risikohöhe und Restrisikoentscheid
  • Entwicklung: sichere Realisierung und Release
  • Konfiguration und Änderungen: kontrollierter Betrieb
  • Wirksamkeit: unabhängige Prüfung des erreichten Zustands
Steuerungsgrössen

Abweichungen zeigen
den Architekturdruck.

Nicht die Anzahl produzierter Diagramme zählt. Relevant ist, ob wesentliche Vorhaben rechtzeitig geprüft werden und ob wiederkehrende Abweichungen eine strukturelle Ursache zeigen.

Prüfabdeckung

Wesentliche Vorhaben mit Architekturentscheid vor Beschaffung oder Umsetzung.

Späte Befunde

Sicherheitsanforderungen, die erst im Test, Audit oder Betrieb erkannt wurden.

Abweichungen

Offene Ausnahmen ohne gültige Kompensation, Risk Owner oder Ablaufdatum.

Wiederholung

Mehrere Vorhaben mit derselben Abweichung vom Zielbild.

Nachweisfähigkeit

Anforderungen ohne definierte technische oder organisatorische Prüfung.

Veraltetes Zielbild

Referenzarchitekturen, die neue Bedrohungen, Technologien oder Pflichten nicht abdecken.

Quellenbasis: ISO/IEC 27001:2022, NIST CSF 2.0, BSI Standards 200-1 und 200-2 sowie anwendbare Anforderungen aus DORA, NIS2, CRA und FINMA. Die konkrete Architektur bleibt vom Schutzbedarf und Anwendungsbereich des Unternehmens abhängig.

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Nachvollziehbar eingeordnet

Sollzustände bleiben
begründet.

Architektur übersetzt Schutzbedarf in Prinzipien, Muster und begründete Abweichungen. Referenzen definieren keine Zielarchitektur, sondern liefern den Rahmen für überprüfbare Sicherheitsentscheide.

Referenzen
Referenz Beitrag zum Prozess Grenze
ISO/IEC 27001:2022 A.5.8 und relevante technologische Controls stützen sichere Architektur- und Engineering-Prinzipien. Ersetzt keine konkrete Produkt- oder Integrationsentscheidung.
NIST CSF 2.0 Verbindet Architektur mit Plattformschutz, Daten, Identitäten und Infrastrukturresilienz. Definiert keine einheitliche Referenzarchitektur.
BSI Standards 200-1 und 200-2 Unterstützen Schutzbedarfsfeststellung, Modellierung und nachvollziehbare Sicherheitskonzeption. Die konkrete Umsetzung bleibt organisations- und objektbezogen.
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05 Inventar Liefert Services, Abhängigkeiten, Owner und technischen Bestand. Prozess öffnen →
Änderungen Sichert, dass Architekturentscheide im Eingriff berücksichtigt werden. Prozess öffnen →
Konfiguration Hält freigegebene technische Sollzustände im Betrieb überprüfbar. Prozess öffnen →
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Security Tool Navigator · Werkzeuge zum Prozess

Werkzeuge nach Gebiet einordnen.

Die Werkzeugklassen dieses Prozesses sind im Security Tool Navigator nach Sicherheitsgebieten geordnet. Die Gebietsseiten zeigen Abgrenzung, Auswahlfragen für CIO und CISO und alle Werkzeugklassen im Zusammenhang.