STOP.LI / ISMS Prozesslandkarte DCH / Kryptografie

Kryptografiebeherrschbar machen.

Verschlüsselung wirkt nur mit einem kontrollierten Lebenszyklus. Kryptografie DCH verbindet Schutzbedarf, freigegebene Verfahren, Schlüssel und Zertifikate mit technischer Umsetzung, Überwachung und rechtzeitiger Erneuerung.

7 ProzessschritteDaten, Schlüssel und ZertifikateKryptoagilität eingeplant
Steuerungsobjekte

Das Verfahren allein
reicht nicht.

Ein sicherer Algorithmus kann durch falsche Nutzung, verlorene Schlüssel oder abgelaufene Zertifikate wirkungslos werden. Der Prozess steuert deshalb Zweck, Verfahren, Implementierung, Schlüsselmaterial, Zertifikate und den Übergang zu neuen kryptografischen Profilen gemeinsam.

Objekt Zu entscheiden Zu überwachen Nachweis
Schutzbedarf Welche Vertraulichkeit, Integrität, Authentizität oder Beweiswirkung wird benötigt und wie lange? Änderungen an Datenklasse, Bedrohung, Aufbewahrung und Nutzung. Genehmigtes Schutzprofil mit Owner.
Verfahren Welche Protokolle, Algorithmen, Parameter und Schlüssellängen sind zugelassen? Neue Schwächen, abgekündigte Verfahren und veränderte Empfehlungen. Versionierter Kryptostandard.
Schlüssel Wie werden Schlüssel erzeugt, verteilt, geschützt, verwendet, rotiert, gesperrt und vernichtet? Owner, Alter, Nutzung, Zugriff, Verlust und Kompromittierung. Schlüsselinventar und Lebenszyklusereignisse.
Zertifikate Welche Vertrauenskette, Laufzeit, Identität und Erneuerung gelten? Ablauf, Fehlkonfiguration, widerrufene Vertrauensanker und unbekannte Aussteller. Aktuelles Zertifikatsregister.
Implementierung Wo und wie wird das Profil in Anwendungen, Geräten und Diensten erzwungen? Abweichende Konfiguration, Bibliotheken, Protokolle und technische Umgehung. Geprüfter technischer Sollzustand.
Lebenszyklus

Von der Schutzabsicht
zum erneuerbaren Zustand.

Die Kette beginnt bei Daten und Geschäftszweck. Sie endet erst, wenn abgelaufene, kompromittierte oder nicht mehr geeignete Verfahren ersetzt sind. Kryptoagilität ist dabei keine Produktfunktion, sondern die Fähigkeit, Bestand, Abhängigkeiten und Migration kontrolliert zu führen.

01 / BEDARF

Klassifizieren

Daten, Dienst, Zweck, Schutzwirkung und erforderliche Schutzdauer bestimmen.

Schutzprofil

02 / STANDARD

Auswählen

Verfahren, Protokoll, Parameter, Schlüssellänge und zulässige Einsatzform freigeben.

Genehmigtes Profil

03 / MATERIAL

Bereitstellen

Schlüssel und Zertifikate sicher erzeugen, ausgeben, speichern und einem Owner zuordnen.

Kontrollierter Bestand

04 / UMSETZUNG

Erzwingen

Kryptoprofil in Anwendung, Plattform, Gerät, Übertragung und Speicher technisch aktivieren.

Bestätigter Sollzustand

05 / ÜBERWACHUNG

Beobachten

Ablauf, Nutzung, Drift, unsichere Verfahren, Bibliotheken und Vertrauensketten erkennen.

Bewertete Abweichung

06 / ERNEUERUNG

Rotieren

Schlüssel und Zertifikate vor Ablauf erneuern, bei Verlust widerrufen und Abhängigkeiten aktualisieren.

Erneuerter Zustand

07 / ÜBERGANG

Migrieren

Veraltete Verfahren kontrolliert ersetzen und Schutzwirkung nach der Umstellung erneut prüfen.

Geprüfte Migration

Kompromittierung

Rotation allein genügt nicht. Der Prozess klärt betroffene Systeme, Daten und Vertrauensbeziehungen, widerruft Material, stellt neue Schlüssel bereit und behandelt die mögliche Offenlegung im Vorfallprozess.

Post Quanten Migration

Priorität erhalten Anwendungen mit langer Schutzdauer und schwer ersetzbaren Abhängigkeiten. Inventar und Kryptoagilität kommen vor einer pauschalen Umstellung. Neue Standards werden risikobasiert geprüft und eingeführt.

Verantwortung

Architektur entscheidet.
Betrieb hält den Zustand.

Die Trennung verhindert zwei typische Fehlbilder: Der Betrieb muss ungeklärte Verfahren auswählen oder die Architektur veröffentlicht Vorgaben, ohne Bestand, Ablauf und technische Durchsetzung zu kontrollieren.

Data und Service Owner

Bestimmen die Schutzwirkung. Sie verantworten Datenklasse, Geschäftszweck, Schutzdauer und akzeptierte Restabweichungen.

Security Architecture

Genehmigt die Profile. Sie wählt Verfahren, Parameter, Protokolle und Übergangsregeln anhand von Risiko und aktuellen Empfehlungen.

PKI, KMS und IT Betrieb

Führen den Lebenszyklus. Sie erzeugen, schützen, verteilen, erneuern, widerrufen und vernichten Schlüssel und Zertifikate kontrolliert.

Security und Assurance

Überwachen Zustand und Wirkung. Sie erkennen Drift, verfolgen Ausnahmen und prüfen, ob Vorgabe, Bestand und technische Umsetzung zusammenpassen.

Nachweiskette

Vertrauen braucht
einen überprüfbaren Bestand.

Die Nachweiskette verbindet Schutzbedarf und genehmigtes Profil mit den tatsächlich eingesetzten Schlüsseln, Zertifikaten und Konfigurationen. Nur so werden Ablauf, Kompromittierung und Migration steuerbar.

01

Schutzprofil

Informationsobjekt oder Dienst, Schutzwirkung, Schutzdauer, Owner und genehmigte Abweichungen.

02

Kryptostandard

Zugelassene und gesperrte Verfahren, Protokolle, Parameter, Schlüssellängen, Gültigkeit und Quelle.

03

Schlüsselbestand

Typ, Zweck, Owner, Speicherort, Erzeugung, Gültigkeit, Zugriff, Rotation und Vernichtung.

04

Zertifikatsregister

Identität, Aussteller, Vertrauenskette, zugehöriger Dienst, Ablauf, Erneuerung und Widerrufsstatus.

05

Implementierungsnachweis

Aktive Protokolle und Parameter, eingesetzte Bibliothek, Konfiguration, technischer Test und festgestellte Drift.

06

Migrationsnachweis

Betroffene Abhängigkeiten, Übergangsprofil, Test, Rollout, Rückfallweg, Restlücke und Freigabe.

Steuerung

Ablauf und Alterung
werden sichtbar.

Die Anzahl ausgestellter Zertifikate ist keine Sicherheitskennzahl. Entscheidend sind unbekannte Bestände, ungeklärte Owner, bevorstehende Abläufe, nicht freigegebene Verfahren und Systeme, deren kryptografische Abhängigkeiten keinen kontrollierten Wechsel zulassen.

Inventarabdeckung

Kritische Dienste ohne erfasste Schlüssel, Zertifikate, Verfahren oder verantwortliche Stelle.

Ablaufrisiko

Zertifikate und Schlüssel, deren Erneuerung innerhalb des erforderlichen Vorlaufs nicht gesichert ist.

Verfahrensabweichung

Aktive Protokolle, Algorithmen oder Parameter ausserhalb des genehmigten Kryptostandards.

Privilegierter Zugriff

Schlüsselmaterial mit zu breitem Zugriff, fehlender Funktionstrennung oder unvollständigem Nutzungsnachweis.

Widerrufszeit

Zeit von erkannter Kompromittierung bis zu Widerruf, Ersatz und technischer Durchsetzung.

Migrationsfähigkeit

Kritische Abhängigkeiten ohne getestete Möglichkeit, Verfahren oder Vertrauensanker zu wechseln.

Regulatorische Profile

Schutzbedarf steuert
die Ausprägung.

Der Prozess bleibt derselbe. Branchenvorgaben können jedoch zusätzliche Anforderungen an Klassifikation, Register, Schlüsselkontrolle, Auswahlkriterien und Nachweise stellen. Eine pauschale Algorithmusliste wäre ohne Kontext und Gültigkeitsdatum gefährlich.

Profil Zusätzlicher Schwerpunkt Im Prozess sichtbar Grenze
ISO 27001 Regeln für angemessene und wirksame Nutzung von Kryptografie und Schlüsselmanagement. Schutzprofil, genehmigte Verfahren, Lebenszyklus, Betrieb und Wirksamkeitsprüfung. Die Norm gibt keine universelle Algorithmusliste vor.
NIS2 und deutsches BSIG Richtlinien und Verfahren für Kryptografie sowie gegebenenfalls Verschlüsselung als Risikomassnahme. Anwendungsbereich, Risikobezug, Vorgabe, technische Umsetzung und Nachweis. Nur für erfasste Einrichtungen und nationale Umsetzung.
DORA Verschlüsselung von Daten in Ruhe und Übertragung, geschützte interne und externe Verbindungen sowie Schlüsselmanagement. Datenklassifikation, Auswahlkriterien, Register, Schutz des Lebenszyklus und Erneuerung. Für erfasste Finanzunternehmen, proportional zu Risiko und Funktion.
Deutschland Aktuelle BSI Empfehlungen für Verfahren und Schlüssellängen sowie migrationsfähige Architekturen. Quellenstand, freigegebene Profile, beobachtete Ablösung und geplanter Übergang. TR 02102 ist technische Empfehlung und muss zum konkreten Einsatz passen.
Übergang zu quantensicheren Verfahren Bestand, Schutzdauer und schwer ersetzbare Abhängigkeiten priorisieren. Neue NIST Standards als mögliche Zielprofile prüfen. Kryptoinventar, Übergangsentscheid, Interoperabilitätstest, Rollout und Restlücke. Kein pauschaler Soforttausch ohne Architektur und Risikoprüfung.
Einordnung und Quellen

Empfehlungen altern.
Der Prozess bleibt.

ISO 27001 gibt den Managementrahmen. NIST beschreibt Schlüsselmanagement und aktuelle Post Quanten Standards. Das BSI veröffentlicht zeitgebundene technische Empfehlungen. DORA konkretisiert den Lebenszyklus für seinen Finanzsektor.

ISO/IEC 27001:2022

Kryptografie

Annex A.8.24 stützt Regeln für angemessene und wirksame Nutzung kryptografischer Verfahren sowie Schlüsselmanagement.

ISO Übersicht öffnen →

NIST SP 800-57 Part 1 Rev. 5

Schlüsselmanagement

Beschreibt Schutz, Funktionen und Lebenszyklus kryptografischen Schlüsselmaterials sowie organisatorische Fragen des Key Management.

NIST Publikation öffnen →

BSI TR 02102-1

Verfahren und Schlüssellängen

Die Version 2025 01 enthält zeitgebundene Empfehlungen für kryptografische Verfahren und Schlüssellängen.

BSI Richtlinie öffnen →

DORA RTS 2024/1774

Finanzsektor EU

Artikel 6 und 7 konkretisieren Verschlüsselung, Auswahlkriterien, Schutz der Schlüssel, Ersatz bei Verlust sowie Register und Erneuerung von Zertifikaten.

RTS öffnen →

NIS2

Risikomassnahme

Artikel 21 nennt Richtlinien und Verfahren für Kryptografie und gegebenenfalls Verschlüsselung im Katalog der Sicherheitsmassnahmen.

Richtlinie öffnen →

NIST FIPS 203, 204 und 205

Post Quanten Standards

Die 2024 veröffentlichten Standards spezifizieren ML KEM sowie die Signaturverfahren ML DSA und SLH DSA.

NIST Übersicht öffnen →

Aktualitätsregel: Kryptografische Empfehlungen sind zeitabhängig. Jeder interne Standard braucht eine Quelle, einen geprüften Stand und einen Reviewtermin. Diese Seite nennt keine universell geeignete Konfiguration und ersetzt keine technische Prüfung des konkreten Einsatzes.

Zur ISMS Prozesslandkarte DCH →

Nachvollziehbar eingeordnet

Schutz bleibt
steuerbar.

Kryptografie setzt eine Schutzentscheidung um, sie ersetzt sie nicht. Der Prozess verbindet Datenklasse, Verfahren, Schlüssel und Ausnahme zu einem nachvollziehbaren Schutzprofil.

Referenzen
Referenz Beitrag zum Prozess Grenze
ISO/IEC 27001:2022 A.8.24 verlangt Regeln für die wirksame Nutzung von Kryptografie. Definiert keine pauschal gültige Algorithmusliste.
NIST SP 800-57 Strukturiert das Management kryptografischer Schlüssel über ihren Lebenszyklus. Ersetzt keine organisationsspezifische Schlüssel- und Zugriffsentscheidung.
BSI TR-02102 Gibt zeitgebundene technische Empfehlungen zu kryptografischen Verfahren. Empfehlungen müssen gegen Schutzbedarf und Aktualität geprüft werden.
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