STOP.LI / ISMS Prozesslandkarte DCH / IAM

Zugriff folgtVerantwortung.

IAM ist mehr als Anmeldung und Rollenvergabe. Der Prozess verbindet eine bestätigte Identität mit einem begründeten Zugriff, kontrolliert privilegierte und technische Konten und beendet Rechte, sobald Zweck oder Verantwortung entfallen.

6 LebenszyklusphasenMenschen und technische IdentitätenRezertifizierung eingebaut
Prozessgrenze

Identität, Recht und
Nutzung bleiben getrennt.

Eine Identität beschreibt, wer oder was handelt. Eine Berechtigung bestimmt, worauf zugegriffen werden darf. Authentisierung prüft den Zugang, Autorisierung erzwingt das genehmigte Recht. Monitoring zeigt die tatsächliche Nutzung. Erst die Verbindung dieser Ebenen macht Zugriffe steuerbar.

Ebene Leitfrage Verantwortetes Ergebnis Typische Fehlstelle
Identität Ist Person, Dienst, Gerät oder Prozess eindeutig und vertrauenswürdig zugeordnet? Aktiver Identitätseintrag mit Quelle, Status und verantwortlicher Stelle. Gemeinsame Konten oder technische Identitäten ohne Owner.
Berechtigung Welche Handlung wird für welchen Zweck und wie lange benötigt? Genehmigtes Recht mit Rolle, Ziel, Umfang und Ablauf. Rollen wachsen über Wechsel hinweg und verlieren ihren Geschäftszweck.
Authentisierung Wie stark muss der Zugang für Risiko, Kontext und Schutzbedarf geprüft werden? Passendes Verfahren mit verwaltetem Authenticator und Wiederherstellungsweg. Schwacher zweiter Faktor oder unsicherer Rücksetzprozess.
Autorisierung Wird das genehmigte Recht am Zielsystem tatsächlich so durchgesetzt? Technisch wirksame Zugriffspolitik und nachvollziehbare Entscheidung. Lokale Rechte weichen vom zentralen Rollenmodell ab.
Nutzung Entspricht das Verhalten dem genehmigten Zweck? Auswertbare Ereignisse zu Zugriff und Administration. Privilegierte Nutzung ohne Session oder Befehlsnachweis.
Lebenszyklus

Jedes Recht hat
einen Anfang und ein Ende.

Der Auslöser kommt aus Personal, Vertrag, Serviceverantwortung oder Technik. IAM übersetzt ihn in Identität und Rechte. Änderungen werden nicht nur provisioniert, sondern bestätigt. Austritt, Rollenwechsel und abgelaufene Ausnahme beenden den Zugriff nachweisbar.

01 / QUELLE

Begründen

Person, Vertrag, Dienst oder technische Komponente mit Status und Owner erfassen.

Autoritative Quelle

02 / ENTSCHEID

Genehmigen

Geschäftszweck, Ziel, Umfang, Funktionstrennung und Laufzeit des Rechts prüfen.

Genehmigtes Recht

03 / VOLLZUG

Provisionieren

Identität und Berechtigung am Zielsystem anlegen, ändern oder zeitlich aktivieren.

Bestätigter Sollzustand

04 / ZUGANG

Schützen

Authentisierung, Gerätekontext, privilegierte Nutzung und Notzugriff passend absichern.

Kontrollierter Zugang

05 / PRÜFUNG

Rezertifizieren

Owner bestätigt Zweck und Umfang. Unklare, ungenutzte und unvereinbare Rechte werden behandelt.

Aktueller Rechtebestand

06 / ENDE

Entziehen

Zugriff, Sitzungen, Token, Schlüssel und nachgelagerte Konten nach Auslöser widerrufen.

Nachgewiesener Entzug

Privilegierte Zugriffe

Dauerrechte sind die Ausnahme. Administrative Berechtigungen werden zeitlich begrenzt, stärker authentisiert und in ihrer Nutzung nachvollziehbar. Notzugriffe haben einen eigenen Weg für Freigabe und Nachprüfung.

Technische Identitäten

Dienste, Workloads, APIs und Automationen erhalten einen Owner, einen Zweck und einen verwalteten Lebenszyklus. Geheimnisse gehören nicht in Quellcode, Tickets oder persönliche Passwortspeicher.

Verantwortung

Der Owner genehmigt.
IAM setzt um.

IAM darf nicht zum Eigentümer aller Zugriffsentscheide werden. Fachliche Verantwortung, technische Bereitstellung, Sicherheitsvorgaben und unabhängige Kontrolle müssen auch dann sichtbar bleiben, wenn dieselbe Plattform mehrere Aufgaben automatisiert.

Identity Owner

Bestätigt die Identität. Personal, Einkauf oder Serviceverantwortung liefern den autoritativen Status und melden Wechsel oder Ende ohne Umweg.

Resource Owner

Verantwortet den Zugriff. Er genehmigt Zweck, Umfang, Funktionstrennung und Laufzeit und entscheidet über Abweichungen.

IAM und IT Betrieb

Setzen kontrolliert um. Sie provisionieren, erzwingen Authentisierung, behandeln Fehler und bestätigen den wirksamen Entzug.

Security und Assurance

Setzen Leitplanken und prüfen. Sie definieren Schutzklassen, überwachen privilegierte Nutzung und prüfen Rezertifizierung, Ausnahmen und Wirksamkeit.

Nachweiskette

Ein Export ist noch
kein Berechtigungsnachweis.

Die Nachweiskette verbindet Herkunft, Entscheid und technischen Zustand. Sie zeigt nicht nur vorhandene Konten, sondern warum ein Recht existiert, wer es bestätigt hat, wie es genutzt wurde und ob sein Entzug am Ziel angekommen ist.

01

Identitätsquelle

Eindeutige Identität, Typ, Status, organisatorische Zuordnung, Owner und letzter bestätigter Auslöser.

02

Zugriffsentscheid

Ressource, Rolle, Zweck, Genehmiger, Laufzeit, Funktionstrennung und gegebenenfalls Ausnahme.

03

Provisionierung

Zielsystem, technische Kennung, eingerichtetes Recht, Zeitpunkt und Rückmeldung des Zielsystems.

04

Authentisierung und Nutzung

Verfahren, Authenticator, privilegierte Sessions, auffällige Nutzung und relevante Kontrollereignisse.

05

Rezertifizierung

Prüfmenge, bestätigte Rechte, unbeantwortete Prüfungen, entzogene Rechte und befristete Restabweichungen.

06

Entzug

Auslöser, deaktivierte Konten, widerrufene Token und Schlüssel, beendete Sessions sowie technische Bestätigung.

Steuerung

Die Lücke liegt
zwischen Soll und Ist.

Kontenzahl und Loginmenge sagen wenig über Kontrolle aus. Steuerungsrelevant sind verwaiste Identitäten, überfällige Rechte, privilegierte Dauerzugriffe, unvollständige Zielsysteme und Entzüge, die technisch nicht bestätigt wurden.

Ownerabdeckung

Aktive menschliche und technische Identitäten ohne bestätigte verantwortliche Stelle.

Provisionierungsabweichung

Genehmigter Sollzustand, der im Zielsystem fehlt oder dort zu weit umgesetzt wurde.

Entzugszeit

Zeit vom Austritt, Rollenende oder Widerruf bis zur bestätigten technischen Sperre.

Privilegierte Dauerrechte

Administrative Rechte ohne Zeitbegrenzung, aktuellen Zweck oder verstärkte Kontrolle.

Rezertifizierungsrückstand

Überfällige Prüfungen, unbeantwortete Owner und Rechte ohne erneute Begründung.

Umgehung

Lokale, gemeinsame oder manuell gepflegte Konten ausserhalb des gesteuerten IAM Wegs.

Regulatorische Profile

Zusatzpflichten ohne
Doppelprozess.

Der gemeinsame Lebenszyklus bleibt gleich. Sektor und Schutzbedarf verändern Genehmigung, Authentisierung, Überwachung, Prüfhäufigkeit und Nachweistiefe. Die konkrete Anwendbarkeit wird ausserhalb des IAM Prozesses entschieden.

Profil Zusätzlicher Schwerpunkt Im IAM Prozess sichtbar Grenze
ISO 27001 Zugriffspolitik, Identitätslebenszyklus, Authentisierungsinformationen, Rechte und privilegierte Zugriffe. Genehmigung, Bereitstellung, Review, Entzug und Nachweis passend zum Risiko. Die Norm schreibt kein einzelnes Produkt und keinen festen Reviewrhythmus vor.
NIS2 und deutsches BSIG Zugriffskontrolle, Sicherheit des Personals und risikogerechte Mehrfaktorauthentisierung. Anwendungsbereich, Risikoklasse und Nachweis des gewählten Verfahrens. Nur für erfasste Einrichtungen und nationale Umsetzung.
DORA Need to know, Need to use, geringste Rechte, starke Authentisierung sowie periodische Prüfung. Schutzklasse, Zugriffszweck, privilegierte Rechte, Review und kontrollierter Notzugriff. Für erfasste Finanzunternehmen und relevante ICT Umgebungen.
FINMA Autorisierungssystem, regelmässige Rechteprüfung und erhöhte Kontrolle privilegierter Personen bei kritischen Daten. Liste privilegierter Personen, Genehmigung, Nutzung, Review und Entzug. Adressatenkreis, Institutstyp und konkrete Datenkritikalität prüfen.
IKT Minimalstandard CH Eindeutig zugeordnete digitale Identitäten, gesteuerte Fernzugriffe und risikogerechte Authentisierung. Identitätstyp, Remote Access, Authentisierungsstärke und technische Durchsetzung. Einstiegshilfe, kein Ersatz für strengere sektorale Pflichten.
Einordnung und Quellen

Identität ist
ein Risikosystem.

ISO 27001 verankert den Lebenszyklus im Managementsystem. NIST trennt Identitätsprüfung, Authentisierung und Föderation. DORA, FINMA und der Schweizer Minimalstandard schärfen die Anforderungen für ihre Anwendungsbereiche.

ISO/IEC 27001:2022

Access Controls

Annex A.5.15 bis A.5.18 sowie A.8.2, A.8.3 und A.8.5 tragen Zugriffspolitik, Identitätslebenszyklus, Authentisierung, Rechte und privilegierten Zugriff.

ISO Übersicht öffnen →

NIST SP 800-63-4

Digitale Identität

Die im Juli 2025 veröffentlichte Revision strukturiert Identitätsprüfung, Registrierung, Authenticator Management, Authentisierung und Föderation.

NIST Publikation öffnen →

NIST CSF 2.0

Identity Management

Die Kategorie PR.AA ordnet Identitäten, Nachweise, Authentisierung und Zugriffsrechte in die Funktion Protect ein.

CSF 2.0 öffnen →

DORA und RTS 2024/1774

Finanzsektor EU

DORA Artikel 9 und der RTS konkretisieren geringste Rechte, Account Management, starke Authentisierung, Monitoring und periodische Prüfung.

RTS öffnen →

FINMA RS 2023/1

Kritische Daten

Fordert ein geschütztes Autorisierungssystem, regelmässige Rechteprüfung und erhöhte Anforderungen für Personen mit privilegiertem Zugriff.

Rundschreiben öffnen →

IKT Minimalstandard 2023

Schweiz

Verbindet physische und logische Zugriffe, Fernzugriff, eindeutige digitale Identitäten und risikogerechte Authentisierung.

Minimalstandard öffnen →

Geltungsgrenze: Diese Seite beschreibt einen gemeinsamen IAM Prozess. Sie legt weder eine universelle Authentisierungsstufe noch eine feste Rezertifizierungsperiode fest. Schutzbedarf, Bedrohung, Rechtsraum und sektorale Vorgaben bestimmen die konkrete Ausprägung.

Zur ISMS Prozesslandkarte DCH →

Nachvollziehbar eingeordnet

Zugriffe bleiben
begründet.

IAM verbindet Rolle, Authentisierung, Berechtigung und Review. Die Referenzen setzen Kontrollziele, benachbarte Prozesse liefern Anlass und Kontext, die Werkzeugklassen unterstützen die technische Durchsetzung.

Referenzen
Referenz Beitrag zum Prozess Grenze
ISO/IEC 27001:2022 A.5.15 bis A.5.18 und A.8.2 stützen Zugriffskontrolle, Identitätsmanagement und privilegierte Rechte. Legt weder ein Directory noch ein bestimmtes IAM-Produkt fest.
NIST CSF 2.0 PR.AA verbindet Identität, Authentisierung und Zugriff mit dem Schutzbedarf. Ersetzt keine Rollendefinition oder fachliche Genehmigung.
DORA Adressiert für erfasste Finanzunternehmen Zugangskontrolle und ICT-Sicherheit. Die konkrete Anwendbarkeit folgt dem Finanzunternehmen und seinen Services.
Passende Inhalte
Inhalt Beitrag Weiter
08 Personal Liefert Eintritt, Wechsel und Austritt als verbindliche Auslöser. Prozess öffnen →
06 Daten Definiert Schutzklassen und Anforderungen für den Zugriff. Prozess öffnen →
05 Inventar Verknüpft Konten und Berechtigungen mit verwalteten Objekten und Ownern. Prozess öffnen →
Passende Werkzeugklassen

Security Tool Navigator · Werkzeuge zum Prozess

Werkzeuge nach Gebiet einordnen.

Die Werkzeugklassen dieses Prozesses sind im Security Tool Navigator nach Sicherheitsgebieten geordnet. Die Gebietsseiten zeigen Abgrenzung, Auswahlfragen für CIO und CISO und alle Werkzeugklassen im Zusammenhang.