STOP.LI / ISMS Prozesslandkarte DCH / 02 Risiko

Risiko wirdentschieden.

Ein Risikowert ist noch kein Risikoentscheid. Der Prozess verbindet ein nachvollziehbares Szenario mit vorhandenen Schutzmassnahmen, möglicher Geschäftsauswirkung, Behandlung und der ausdrücklichen Verantwortung für das verbleibende Risiko.

02 FührenOwner: Risk Owner und CISO
Risikolebenszyklus

Vom Szenario zur
Verantwortung.

Die Methode schafft Vergleichbarkeit. Der Entscheid entsteht jedoch erst aus Geschäftskontext, belastbaren Annahmen, vorhandener Kontrolle und einer befugten Person, die Behandlung oder Restrisiko verantwortet.

01 / GEGENSTAND

Begrenzen

Leistung, Information, System, Produkt oder Lieferant mit Owner bestimmen.

klarer Bewertungsgegenstand

02 / SZENARIO

Beschreiben

Ursache, Ereignis, betroffene Werte und mögliche Auswirkung verbinden.

verständliches Risikoszenario

03 / KONTROLLEN

Belegen

Vorhandene Massnahmen und ihre nachgewiesene Wirkung berücksichtigen.

realistischer Ausgangszustand

04 / BEWERTUNG

Einordnen

Eintritt und Auswirkung nach genehmigten Kriterien mit Annahmen bewerten.

begründete Risikohöhe

05 / BEHANDLUNG

Wählen

Reduktion, Vermeidung, Transfer oder Akzeptanz mit Zielzustand festlegen.

entschiedener Behandlungsweg

06 / RESTRISIKO

Verantworten

Verbleibendes Risiko innerhalb der Befugnis akzeptieren oder eskalieren.

gültige Risikoakzeptanz

07 / VERÄNDERUNG

Überwachen

Massnahmen, Indikatoren und Auslöser bis zur erneuten Bewertung verfolgen.

überwachter Risikostatus

08 / REZERTIFIZIERUNG

Erneuern

Akzeptierte Risiken vor Ablauf oder bei wesentlicher Veränderung neu bewerten und erneut entscheiden.

erneuerte oder aufgehobene Akzeptanz

Entscheidungsqualität

Ein Szenario.
Klare Annahmen.

Schlagworte wie Ransomware, Cloud oder Lieferant sind Risikothemen, aber noch keine bewertbaren Szenarien. Ein entscheidungsfähiger Eintrag benennt den betroffenen Geschäftswert und die mögliche Wirkung.

Gegenstand

Was kann beeinträchtigt werden?

Kritische Leistung, Daten, Produkt, Lieferbeziehung oder regulatorische Fähigkeit mit eindeutigem Owner.

Ereignis

Was könnte tatsächlich geschehen?

Konkretes Ereignis mit Ursache, Angriffsweg oder Abhängigkeit statt einer allgemeinen Bedrohungsliste.

Auswirkung

Was bedeutet es für das Unternehmen?

Betrieb, Kunden, Finanzen, Recht, Sicherheit, Markt oder Reputation mit nachvollziehbarer Grössenordnung.

Kontrolllage

Was wirkt nachweislich?

Nicht das Vorhandensein einer Policy, sondern belegte Ausführung und technische oder organisatorische Wirkung.

Behandlung

Welcher Zustand soll erreicht werden?

Massnahme, Zielrisiko, Owner, Ressourcen, Termin und Abschlussbedingung.

Akzeptanz

Wer trägt das verbleibende Risiko?

Befugte Rolle, Entscheidungsdatum, Begründung, feste Gültigkeit, Rezertifizierungstermin und ereignisgesteuerte Prüfauslöser.

Keine automatische Verlängerung: Vor Ablauf prüft der Risk Owner Szenario, Kontrolllage, Auswirkung und Restrisiko erneut. Die befugte Rolle bestätigt die Akzeptanz, ändert die Behandlung oder eskaliert. Ein unveränderter Registereintrag ist keine Rezertifizierung. Der Begriff bezeichnet hier den erneuten, dokumentierten Akzeptanzentscheid.
Arbeitsobjekte

Der Entscheid muss
anschlussfähig bleiben.

Ein Risikoregister ist nur dann nützlich, wenn seine Einträge mit Massnahmen, Ausnahmen, Prozessen und Nachweisen verbunden sind.

Arbeitsobjekt Mindestinhalt Übergabe Abschlussbedingung
Risikokriterien Skalen, Toleranz, Akzeptanzbefugnis und Eskalation. von Steuerung genehmigt für alle relevanten Bewertungen anwendbar
Risikoeintrag Szenario, Owner, Annahmen, Kontrollen, Bewertung und Quellen. an Risk Owner bewertet und entscheidungsreif
Behandlungsplan Zielzustand, Massnahmen, Ressourcen, Owner und Termin. an zuständige Prozesse Wirkung geprüft oder Restlücke neu entschieden
Risikoakzeptanz Restrisiko, Befugnis, Begründung, Kompensation, Gültigkeit, Rezertifizierungstermin und Prüfauslöser. an Steuerung und Wirksamkeit fristgerecht rezertifiziert, durch Behandlung ersetzt oder eskaliert
Prozessgrenze

Bewerten ist nicht
behandeln.

Der Risikoprozess trägt die Entscheidung, aber nicht automatisch den technischen oder organisatorischen Vollzug.

Risiko verantwortet

  • Szenario und Bewertungsgegenstand
  • Bewertung mit Annahmen und Kontrolllage
  • Behandlungsweg, Zielrisiko und Priorität
  • Akzeptanz, Rezertifizierung oder Eskalation des Restrisikos

Andere Prozesse liefern

  • Steuerung: Methode, Toleranz und Befugnisse
  • Fachprozesse: Umsetzung der Massnahmen
  • Wirksamkeit: unabhängige Kontrollfeststellung
  • Verbesserung: nachhaltige Ursachenbehandlung
Steuerungsgrössen

Risikolage statt
Registermenge.

Die Anzahl erfasster Risiken sagt wenig. Relevant ist, ob wesentliche Risiken entschieden, behandelt und bei Veränderung erneut bewertet werden.

Entscheidungsstau

Wesentliche Risiken ohne befugten Risk Owner oder gültigen Behandlungsentscheid.

Behandlungsverzug

Massnahmen ausserhalb der genehmigten Frist mit weiterhin bestehender Exposition.

Rezertifizierung

Akzeptierte Risiken mit fälliger oder überfälliger Bestätigung sowie ungeklärte Veränderungen seit dem letzten Entscheid.

Kontrollbeleg

Bewertungen, die sich auf nicht geprüfte oder nur behauptete Kontrollen stützen.

Konzentration

Mehrere wesentliche Szenarien mit derselben kritischen Abhängigkeit.

Neue Lage

Risiken, deren Bewertung nach Vorfall, Bedrohungsänderung oder Systemwechsel offen ist.

Quellenbasis: ISO/IEC 27001:2022, ISO/IEC 27005:2022, NIST CSF 2.0, BSI Standard 200-3, DORA und die anwendbaren DCH Profile. Die Seite schreibt keine einheitliche Bewertungsmethode und keine pauschale Risikogrenze vor.

Zur ISMS Prozesslandkarte DCH →

Nachvollziehbar eingeordnet

Risiko bleibt
geführt.

Der Risikoprozess entscheidet über Szenario, Behandlung, Akzeptanz und erneute Bewertung. Referenzen geben Methodenrahmen, die Nachbarprozesse liefern Fakten und die Werkzeuge unterstützen Analyse und Nachverfolgung.

Referenzen
Referenz Beitrag zum Prozess Grenze
ISO/IEC 27005:2022 Strukturiert Informationssicherheitsrisiken über Kontext, Bewertung, Behandlung, Kommunikation und Monitoring. Schreibt keine einheitliche Skala oder Risikotoleranz vor.
NIST CSF 2.0 Ordnet Risikoanalyse und Risikomanagement den Govern- und Identify-Ergebnissen zu. Ersetzt keine Entscheidung über Geschäftsfolgen und Risikoakzeptanz.
BSI Standard 200-3 Unterstützt ein methodisches, IT-Grundschutz-nahes Risikomanagement. Ist keine Vorgabe für jeden Organisationstyp ausserhalb dieses Ansatzes.
Passende Inhalte
Inhalt Beitrag Weiter
01 Steuerung Setzt Risikotoleranz, Zuständigkeit und Eskalationswege. Prozess öffnen →
03 Compliance Prüft, ob eine Abweichung rechtliche, vertragliche oder aufsichtsrechtliche Folgen hat. Prozess öffnen →
Änderungen Überführt entschiedene Massnahmen in einen kontrollierten Eingriff. Prozess öffnen →
Passende Werkzeugklassen

Security Tool Navigator · Werkzeuge zum Prozess

Werkzeuge nach Gebiet einordnen.

Die Werkzeugklassen dieses Prozesses sind im Security Tool Navigator nach Sicherheitsgebieten geordnet. Die Gebietsseiten zeigen Abgrenzung, Auswahlfragen für CIO und CISO und alle Werkzeugklassen im Zusammenhang.